Wer einen Wikipedia Artikel schreiben möchte, stößt schnell auf einen Widerspruch: Technisch ist die Hürde niedrig — ein Benutzerkonto ist in wenigen Minuten angelegt, der Editor funktioniert wie ein Textverarbeitungsprogramm. Redaktionell ist die Hürde dagegen hoch. Die deutschsprachige Wikipedia gilt als eine der am strengsten kontrollierten Sprachversionen; ein erheblicher Teil der neuen Artikel wird kurz nach der Veröffentlichung zur Löschung vorgeschlagen. Diese Anleitung beschreibt den Weg, der die Aussicht auf einen dauerhaften Artikel deutlich verbessert: von der Relevanzprüfung über Quellen, Aufbau und Stil bis zur Sichtung nach der Veröffentlichung.
Schritt 1: Relevanz prüfen, bevor Sie schreiben
Der häufigste Fehler steht ganz am Anfang: Es wird geschrieben, bevor geprüft wurde. Wikipedia nimmt nicht jedes Thema auf. Ob eine Person, ein Unternehmen oder eine Organisation einen Artikel bekommen kann, regeln die Relevanzkriterien — ein umfangreiches Regelwerk mit Schwellenwerten je Kategorie, etwa für Wissenschaftler, Unternehmen, Autoren oder Musiker. Wer die Kriterien erfüllt, hat eine Grundlage; wer sie verfehlt, kann auch mit dem besten Text keinen dauerhaften Artikel erreichen.
Zwei Fragen entscheiden: Erfüllt das Thema ein einschlägiges Kriterium — und lässt sich das mit unabhängigen Quellen belegen? Erst wenn beide Antworten positiv ausfallen, lohnt sich der Aufwand des Schreibens. Für Grenzfälle bietet die deutschsprachige Wikipedia den Relevanzcheck an, eine Seite, auf der erfahrene Autoren ein Thema vor dem Schreiben einschätzen. Die dortigen Einschätzungen sind unverbindlich, aber ein brauchbarer Frühindikator.
Schritt 2: Quellen sammeln und qualifizieren
Wikipedia-Artikel stützen sich auf Sekundärquellen: Berichterstattung und Literatur, die unabhängig vom Gegenstand des Artikels entstanden sind. Dazu zählen überregionale Zeitungen und Magazine, Fachzeitschriften, wissenschaftliche Publikationen und seriöse Sachbücher. Nicht dazu zählen die eigene Website, Pressemitteilungen, Interviews ohne redaktionelle Einordnung, Werbeprofile und die meisten Branchenportale — solche Quellen können Details belegen, aber keine Relevanz begründen.
Eine praktische Faustregel: Wer nicht mindestens eine Handvoll unabhängiger, substanzieller Veröffentlichungen über das Thema vorlegen kann, schreibt zu früh. Legen Sie vor dem ersten Satz eine Quellenliste an, mit Autor, Medium, Datum und dem Aspekt, den die Quelle belegt. Diese Liste bestimmt später die Struktur des Artikels — nicht umgekehrt. Was im Artikel steht, muss aus den Quellen kommen; was nur aus eigener Kenntnis stammt, gehört nicht hinein.
Schritt 3: Den Aufbau eines Wikipedia-Artikels verstehen
Wikipedia-Artikel folgen einem festen Muster, und Abweichungen fallen der Eingangskontrolle sofort auf:
- Einleitung — der erste Satz definiert den Gegenstand und nennt, warum er relevant ist: wer oder was, welche Tätigkeit, welche Besonderheit. Die Einleitung fasst den Artikel zusammen, sie bewirbt ihn nicht.
- Hauptteil in Abschnitten — bei Biografien üblicherweise Leben, Werdegang und Wirken; bei Unternehmen Geschichte, Tätigkeitsfeld und gegebenenfalls Kritik. Chronologie und Sachlichkeit gehen vor Vollständigkeit.
- Einzelnachweise — jede wesentliche Aussage erhält eine Fußnote mit der Quelle. Artikel ohne Einzelnachweise gelten als unbelegt und werden beanstandet.
- Literatur und Weblinks — sparsam eingesetzt; wenige, gehaltvolle Verweise statt einer Linksammlung.
- Kategorien und Normdaten — die Einordnung in das Kategoriensystem, bei Personen ergänzt um Normdaten und Personendaten.
Es hilft, vor dem Schreiben zwei oder drei bestehende Artikel über vergleichbare Personen oder Unternehmen zu lesen — nicht als Textvorlage, sondern als Maßstab für Umfang, Ton und Gliederung.
Schritt 4: Neutral formulieren
Der neutrale Standpunkt ist das Kernprinzip der Wikipedia. Für die Praxis bedeutet das: beschreiben statt bewerten. Formulierungen wie «führender Anbieter», «renommierter Experte» oder «einzigartiges Konzept» sind Werbesprache und werden entfernt oder führen zur Löschung des gesamten Artikels. Zulässig ist, was sich belegen lässt: Zahlen, Ereignisse, Veröffentlichungen, nachweisbare Einordnungen. Wertungen dürfen nur mit Quelle und Zuschreibung erscheinen — nicht als eigene Aussage des Artikels, sondern als belegte Aussage eines Dritten.
Ein bewährter Test: Lesen Sie jeden Satz und fragen Sie, ob ein unbeteiligter Journalist ihn so schreiben würde. Streichen Sie Adjektive, die Eindruck machen sollen, und ersetzen Sie sie durch Fakten, die für sich sprechen.
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Vertrauliche Prüfung anfordernSchritt 5: Im Entwurf schreiben, nicht direkt im Artikelnamensraum
Technisch beginnt der Weg mit einem Benutzerkonto. Ein Konto ist keine Pflicht, aber es ermöglicht Unterseiten im eigenen Benutzernamensraum — und genau dort sollte der Artikel entstehen. Ein Entwurf unter Benutzer:Ihrname/Artikelentwurf lässt sich in Ruhe ausarbeiten, mit Einzelnachweisen versehen und überarbeiten, ohne dass die Eingangskontrolle mitliest. Wer direkt im Artikelnamensraum beginnt, veröffentlicht ein Fragment, und Fragmente ziehen Löschanträge an.
Beim Schreiben selbst haben Sie die Wahl zwischen dem VisualEditor, der wie eine Textverarbeitung funktioniert, und dem Quelltext-Editor mit Wikisyntax. Für Einzelnachweise, Infoboxen und Vorlagen lohnt sich ein Blick in die Hilfeseiten; die Syntax ist in einer Stunde erlernbar. Erst wenn der Entwurf vollständig ist — Einleitung, Hauptteil, Einzelnachweise, Kategorien — wird er in den Artikelnamensraum verschoben. Für das Verschieben muss ein Konto wenige Tage alt sein; die Wartezeit ist eine gute Gelegenheit für eine letzte Überarbeitung.
Schritt 6: Veröffentlichung, Sichtung und Eingangskontrolle
Mit der Verschiebung in den Artikelnamensraum beginnt der Teil, den viele unterschätzen. Neue Artikel durchlaufen die Eingangskontrolle: Erfahrene Autoren prüfen Relevanz, Belege, Neutralität und Urheberrecht. Zusätzlich gilt in der deutschsprachigen Wikipedia das Sichtungssystem — Bearbeitungen neuer Konten werden erst nach Prüfung durch einen Sichter für alle Leser sichtbar.
Drei Ausgänge sind üblich: Der Artikel bleibt unbeanstandet stehen; er erhält Überarbeitungsbausteine oder landet in der Qualitätssicherung; oder es wird ein Löschantrag gestellt, dem eine in der Regel siebentägige, öffentliche Löschdiskussion folgt. In diesem Fall gilt: sachlich argumentieren, Belege nachliefern, nicht persönlich werden. Wie die Lage nach einer Löschung aussieht und was dann noch möglich ist, beschreibt der Beitrag Wikipedia Artikel gelöscht — was nun?. Für spätere Änderungen an einem bestehenden Artikel gelten eigene Regeln; diese erklärt der Beitrag Wikipedia Eintrag ändern.
Schritt 7: Die häufigsten Fehler vermeiden
- Werbeton — der mit Abstand häufigste Löschgrund bei Artikeln über Personen und Unternehmen.
- Fehlende unabhängige Belege — ein Artikel, der nur auf eigenen Angaben beruht, hat keine Grundlage.
- Relevanz nicht dargestellt — die Relevanz muss im Artikel selbst erkennbar sein, nicht nur tatsächlich vorhanden.
- Textübernahme von der eigenen Website — eine Urheberrechtsverletzung, die zur sofortigen Löschung führt, auch wenn der Text von Ihnen stammt.
- Zu früh veröffentlicht — ein halbfertiger Artikel im Artikelnamensraum wird nach dem Ist-Zustand beurteilt, nicht nach dem Plan.
- Interessenkonflikt verschwiegen — dazu der folgende Abschnitt.
Über sich selbst oder das eigene Unternehmen schreiben
Ein erheblicher Teil derer, die einen Wikipedia Artikel schreiben möchten, schreibt in eigener Sache — über sich selbst, die eigene Firma oder einen Auftraggeber. Das ist nicht verboten, aber die Wikipedia rät wegen des Interessenkonflikts ausdrücklich davon ab: Wer beteiligt ist, kann die eigene Bedeutung schwer neutral einordnen, und die Eingangskontrolle prüft solche Artikel besonders kritisch. Was das für Artikel über die eigene Person bedeutet, behandelt der Beitrag Eigene Wikipedia Seite erstellen; die Kriterien für Personenartikel im Allgemeinen der Beitrag Wikipedia Eintrag für eine Person.
Eindeutig geregelt ist das bezahlte Schreiben: Wer für Beiträge in der Wikipedia eine Vergütung erhält, muss dies nach den Nutzungsbedingungen der Wikimedia Foundation offenlegen — auf der Benutzerseite, in der Bearbeitungszusammenfassung oder auf der Diskussionsseite des Artikels. Diese Offenlegungspflicht gilt ohne Ausnahme. Ein unentdeckt eingestellter Auftragsartikel ist ein Regelverstoß, unabhängig von seiner inhaltlichen Qualität, und wird nach Entdeckung häufig gelöscht. Seriöse Dienstleister arbeiten deshalb grundsätzlich mit Offenlegung.
Selbst schreiben oder schreiben lassen
Ob Sie den Weg selbst gehen, ist am Ende eine Abwägung von Zeit, Erfahrung und Risiko. Wer neutral formulieren kann, gute Quellen hat und die Regelseiten durcharbeitet, kann einen tragfähigen Artikel selbst verfassen — die Anleitung oben beschreibt den vollständigen Weg. Der Aufwand liegt realistisch bei mehreren Arbeitstagen, verteilt über einige Wochen, und ein Erfolg ist auch dann nicht garantiert; über den Bestand eines Artikels entscheidet allein die Wikipedia-Gemeinschaft.
Ein erfahrener Redakteur ändert daran nichts Grundsätzliches, verbessert aber die Ausgangslage: Er beurteilt die Relevanz vor dem ersten Satz, kennt die Regelpraxis der Eingangskontrolle, arbeitet mit korrekter Offenlegung und betreut den Artikel nach der Veröffentlichung. Was eine solche Begleitung kostet und welche Marktsegmente es gibt, zeigt der Beitrag Wikipedia Eintrag Kosten. Ob Ihr Fall die Kriterien voraussichtlich erfüllt, können Sie vorab prüfen lassen — die Übersicht Wer qualifiziert sich? gibt eine erste Orientierung.
Häufig gestellte Fragen
Kann jeder einen Wikipedia Artikel schreiben?
Wie fange ich am besten an?
Was passiert nach der Veröffentlichung des Artikels?
Darf ich über mich selbst oder mein Unternehmen schreiben?
Weiterführend: Wikipedia Eintrag erstellen lassen · Wikipedia Relevanzkriterien · Wikipedia Eintrag Kosten · Artikel gelöscht — was nun?
